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Die wahren Ökologen
“(...) 1969 wird auch der CDU-Politiker Herbert Gruhl, der dieser Tage 90 Jahre alt geworden wäre, in den Deutschen Bundestag gewählt, der sich schon bald zum profiliertesten Sachkenner für Umweltfragen in seiner Partei entwickeln sollte. Mit Horst Stern, Bernhard Grzimek und anderen gründete Gruhl 1975 den Bund für Natur- und Umweltschutz Deutschland, dem er zwei Jahre vorsteht. Im selben Jahr veröffentlihct er seinen Bestseller Ein Planet wird geplündert, eine schonungslose Abrechnung mit dem weltweiten Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen. Zu einer Zeit, als Joschka Fischer noch Polizisten verprügelte, erwies sich ein wertkonservativer Denker wie Gruhl als wahrer ‘Grüner’. (...)
Tatsächlich paßt vieles von dem, was der Autor schrieb, nicht in das ideologische Raster der von Fortschrittsgläubigkeit und Materialismus geprägten Linken. Fortschritt, so Gruhl, manifestiere sich heute darin, daß in immer schnellerem Tempo Werte (v.a. Bodenschätze, Rohstoffe) vernichtet werden. Und das auf Kosten der kommenden Generationen, die ‘von den Resten leben müssen, die wir übriglassen.”
Der Zeitgeist findet vor dem grünen Konservativen keine Gnade: ‘Wem gegenüber wollen die Menschen denn eigentlich einen materiellen ‘Anspruch’ auf einen bestimmten Lebensstandard, auf eine Versorgung mit näher bezeichneten Gütern geltend machen? Wenn es die entsprechenden Natur- und Rohstoffe auf der Erde nicht mehr gibt, dann ist der Anspruch genausoviel wert, wie es eine Deutsche Reichsmark lautende Banknote nach der Währungsreform von 1947 war.’ Als antihumanistisch’ sehen Linke Gruhls Ausführungen zu Hunger- und Entwicklungshilfe an, sein Argument, daß für jeden heute Geretteten aufgrund des rasanten Geburtenwachstums später fünf oder zeh Menschen mehr sterben müssen, leuchtet ihnen nicht ein. Was nicht wundert, wenn man weiß, daß manche Linke abstreiten, daß es so etwas wie Übervölkerung überhaupt gibt. Völlig inkompatibel mit heutiger grüner Multikulti-Ideologie ist auch folgende Erkenntnis von Herbert Gruhl: ‘Einige europäische Völker, die in der glücklichen Lage sind, daß sich ihre Bevölkerung stabilisiert, haben einen weg von agenhafter Dummheit gefunden, diesen Vorteil wieder aus der Hand zu geben: Sie betrachten sich jetzt als Einwanderungsländer für den gesamten Erdball.’
So vernünfitg, so einsichtig und verantwortungsvoll hätte der parteipolitische Arm der neuformierten Naturschutzbewegung werden können. Gruhl hatte 1978 mit einigen Mitstreitern die ‘Grüne Aktion Zukunft’ gegründet, am Aufbau der grünen Bundespartei beteiligte er sich von Anfang an. Doch bereits im ersten Halbjahr 1980 entschieden die aus den K-Gruppen eingesickertenKader den Machtkampf zugunsten der Linken. (...) Fest an seiner Seite standdie ganze Zeit Baldur Springmann, einer der ersten Ökobauern in Deutschland und ebenfalls kein Linker..(...) In einem 1980 gegebenen Interview erklärte Springman, weshalb die die grüne Partei unter der Führung kommunistischer KAder überhaupt nicht ökologisch sein kann: ‘Die kommunistische Grundhaltung bejaht vol und bewußt den unbegrenzten technsichen Fortschritt, und eine derart mangelnde Selbstbeschränkung ist ein wesentlicher Faktor zur Zerstörung unserer ökologischen Lebensgrundlagen.” Kommunisten und Kpitalisten seien ‘feindliche Brüder’. (...)”
Von Dorian Rehwald, in: Zuerst! Deutsches Nachrichtenmagazin. 2. Jg., November 2011, S. 55-57 (zzgl. Interview mit Volker Kempf als Vorsitzendem der Herbert-Gruhl-Gesellschaft, S. 58)
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