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Die Zweifel am Wachstum wachsen
“Die ökologischen Kritiker an der wirtschaftlichen Expansion hielten sich lange zurück. Mit der Finanzkrise erhalten sie ungeahnten Zulauf.
Von Philipp Krohn
(...) In den vergangenen Monaten ist die Flut wachstumskritischer Literatur wieder gestiegen. Durch die Finanzkrise sehen sich manche Theoretiker bestätigt. Ein Blick auf die Liste der Autoren könnte den Eindruck erwecken, es seien wieder die üblichen Verdächtigen. Denn Ökonomen wie Hans Christoph Binswanger (“Vorwärts zur Mäßigung”), Friedrich Hinterberger (“Welches Wachstum ist nachhaltig? Ein Argumentarium”) oder Fred Luks (“Endlich im Endlichen”) sind seit vielen JAhren Vertreter eines alternativen Stranges des Wachstumsdiskurses. Selbst eine steigende Ökoeffizienz halte den Menschen nicht ab, immer mehr Güter zu produzieren, so dass die technischen Innovationen nicht ausreichten, den Verbrauch zu senken, lautet eine ihrer entralen Thesen.
Auch der Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel zählt seit mehr als drei Jahrzehnten zu jenen Intellektuellen, die zumindest von Wachstumsskepsis geleitet sind. Mit seinem aktuellen Buch “Exit - Wohlstand ohne Wachstum” aber hat er das Thema erstmals in den Mittelpunkt seiner Überlegungen gestellt. Der permanente Wachstumsdruck überfordere nicht nur die Umwelt, sondern zunehmend auch die Menschen, die angesichts ihrer wachsenden Versprechen auf einen materiellen Zuwachs vertröstet würden.
Neu scheint aber zu sein, dass ein Autor mit solchen Thesen weit über die engere wachstumskritische Gemeinde hinaus Zustimmung erhält. In Rezensionen in der Presse erhielt Miegel überwiegend Lob dafür, ein wichtiges Thema ohne Klischees, Vorurteile und mit intellektueller Redlichkeit bearbeitet zu haben. Auch in anderen Diskussionszirkeln ändert sich der Tenor der Debatte. So liefert der früherebayerische Landtagspräsident Alois Glück (CSU) in seinem Buch “Warum wir uns äöndern müssen” den Entwurf einer ökosozialen Marktwirtschaft, die sich “qualitativ” ausrichten müsse.
Nun ist das Reden vom “qualitativen Wachstum” seit mehr als 30 jahren üblich und dient oft dazu, das wirtschaftspolitische Ziel gegen ökologische Kritik zu immunistieren. Glücks Thesen hingegen wirken wie ene späte Versöhnung mit dem konservativen Ökologen Herbert Gruhl (“Ein Planet wird geplündert”), der sich 1978 zunächst mit seiner Partei, der CDU, überwarf, schließlich die Grünen mitgründete, diese aber wegen ihrer Linksausrichtung bald wieder verließ.
Die Finanzkrise ist vielen ein Zweichen dafür, dass hohe Wahcstumsraten nur zu erreichen sind, wenn gefährliche ökonomische Risiken und Blasen in Kauf genommen werden. (...)”
(FAZ vom 7.6.2010)
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Warum verzichten wir nicht auf das Fliegen? Auch ohne Aschenregen? Ein Plädoyer für die bewusste Entschleunigung.
Von Rupert Neudeck
“Ich machte mich Sonntag, am 18.04.2010 früh, für das tägliche Jogging fertig und hatte ein überwältigendes Natur- und Atmosphäre-Gefühl: Der Himmel war blank gefegt von allen Kondenzstreifen, mit denen er sonst als Bild schon durchschossen und verunstaltet wird.
Die Nachrichten der Tagesschau und des Deutschlandfunks meldeten es unisono: Die Flughäfen in Deutschland blieben noch geschlossen. Und ob sie danach aufgehen und die Kondenzstreifen bald wieder zu sehen und die Fluggeräusche wieder zu hören sein werden, ist auch noch fraglich. Der Vulkan in Island lehrt uns ökologischen mores, Sitten. Er bringt uns zurecht. Das, was wir theoretisch immer schon für wahr hielten, wird uns jetzt eingebleut: Du sollst nicht immer und nicht so häufig fliegen. Und damit die Lehre und die Belehrung auch richtig sitzt, heißt es für diese Tage kategorisch: Du sollst überhaupt nicht fliegen. Und damit diese Lehre auch noch demokratischer und damit egalitärer rüberkommt, können auch Angela Merkel, Barak Obama, Nicolas Sarkozy, Barroso und tutti quanti nicht fliegen und die Flughäfen in Warschau, in Krakau und in Danzig bevölkern. Denn rien ne va plus. Island hat uns alle etwas gelehrt, was Island uns nicht lehren wollte. Das ist – mit Hegel gesagt, etwas abgewandelt – die List der ökologischen Vernunft. Du sollst besser nicht fliegen. Schade, dass Carl Amery und Herbert Gruhl nicht mehr leben: Sie würden an dieser Situation ihr Gefallen und ihre bestätigende Erkenntnisfreude haben.
Das, so sagte ich mir aufatmend, ist die Zukunft. Man sollte diese Vulkane ruhig weiter ihre Asche herausschleudern lassen, wir sollten das als die ganz große Chance nehmen, bescheidener gegenüber der Natur zu werden und weniger arrogant gegen die Schöpfung. (...)” Volltext unter: (http://gruenhelme.de/972.php) + (http://www.info3.de/wordpress/?p=203)
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Grüne Kronjuwelen oder gelbe Altlast Volker König
“Bei Schwarz-Gelb hängt der Haussegen schief. Kürzlich polterte FDP-Chef Guido Westerwelle beim sogenannten Koalitionsfrühstück gegen CDU-Umweltminister Norbert Röttgen los. Dessen Gedanken über den Atomausstieg seien nicht hinnehmbar. „Ansatzlos losgewütet“ habe der Liberale, zitierte die Süddeutsche Zeitung einen Sitzungsteilnehmer, und die FAZ schreibt, auf seiten der Union sei mit Blick auf Westerwelles Wutausbruch von Anmaßung, Hybris und konfusen Worten die Rede gewesen. Es ist nichts Neues, daß die FDP als verlängerter politischer Arm wirtschaftlicher Lobbygruppen agiert. Keine andere Partei hat so wenig mit der Ökologie am Hut wie sie. Bedenklicher ist daher, daß bei dem Frühstück die Hälfte der Unions-Teilnehmer Westerwelles Wutausbruch mit Kopfnicken begleitet hat.
Haben sie nicht begriffen, daß der Schutz der Lebensgrundlagen die existentielle Zukunftsfrage ist? Haben sie vergessen, daß aus ihren Reihen Herbert Gruhl kam, der 1970 die erste große umweltpolitische Rede vor dem Bundestag hielt? „Die Bewahrung der Natur gegen den technischen Fortschritt war ein großes konservatives Thema“, schrieb Peter Glotz 1989 in seinem Buch „Die deutsche Rechte“ und betonte, daß sich die Konservativen mit der Ökologie „einen wichtigen Teil ihrer Kronjuwelen klauen“ ließen. Es wäre an der Zeit, daß die Union sich dieser Worte erinnert und schwarz-grüne Planspiele nicht nur aus machtpolitischem Kalkül betreibt. Denn die Absage an das „atomare Höllenfeuer“ (Gruhl) wie auch an die gentechnische Manipulation der Schöpfung sind urkonservative Anliegen. Mit ihnen haben die C-Parteien Zukunft – mit der Fixierung auf kurzfristiges Profitdenken à la FDP nicht.”
(Junge Freiheit www.jungefreiheit.de 08/10 19. Februar 2010)
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Eisberg voraus!
“Eine Westerwelle ist losgetreten worden, alle Welt diskutiert über den deutschen Sozialstaat. Wie das eben so ist in unserer Gesellschaft, wenn eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird. Wer spricht noch vom Klimawandel? Vergessen! Abgehakt! Natürlich kann man das Thema ignorieren: weiter mit voller Kraft voraus, wie einst auf der Titanic!
Doch der Eisberg ist nicht mehr weit. Auch deshalb, weil die Staatsmänner und -frauen im Dezember vergangenen Jahres in Kopenhagen so grandios gescheitert sind. Weil wieder wertvolle Zeit vergeudet wird. Weil wir irgendwann, wie schon des Öfteren, sagen werden: Das haben wir nicht gewollt. Was aber nicht mehr gilt: Das haben wir nicht gewusst. Auch deshalb eine kurze Rückblende. 1972 veröffentlichte der Club of Rome die Studie "Die Grenzen des Wachstums". Eine der ersten Reaktionen auf dieses Menschheits-Menetekel war die des Yale-Professors Henry C. Wallich: "Unverantwortlicher Unfug." 1971 hatte der CDU-Politiker Herbert Gruhl im Bundestag auf das Waldsterben aufmerksam gemacht; 1975 erschien sein Buch "Ein Planet wird geplündert." Ein Ergebnis: Drei Jahre später war Gruhl aus seiner Partei geekelt worden. Und die Grünen, als sie in ihren frühen Jahren noch eine Umweltpartei waren: Sie wurden lange Zeit rücksichtslos vom Establishment gejagt. Haben wir aus allem nichts gelernt? Denn die Deutschen, und damit zum aktuellen Befund, sind keineswegs so umweltbewusst, wie sie sich gerne sehen. An der Spitze liegen sie nur, wie eine großangelegte EU-Studie unlängst belegte, bei der Selbstzufriedenheit. Die Deutschen? Nein: wir! Mehr als 40 Prozent von uns unternehmen gar nichts gegen den Klimawandel. Rund 20 Prozent sind ohnehin der Auffassung, dass der Klimawandel nicht menschengemacht ist. Und wenn wir etwas tun, dann erschöpft sich das oft in eher symbolischen Handlungen wie Radtouren am Wochenende oder im Vorgärtchen ein paar Zwiebeln ziehen. Dort aber, wo das eigene Handeln Verzicht bedeutet - weniger Wasser- und Stromverbrauch, Verringerung der Heizenergie, sparsamer Gebrauch des Autos, weniger fliegen -, da belassen wir es trotz apokalyptischer Aussichten häufig im Ungefähren. Oder benutzen einen Schneesturm in Washington und einen kalten Winter hierzulande, um abzuwiegeln und mit kurzfristigen Betrachtungen langfristige Expertisen auszuhebeln. Wenn wir uns aber selbst im Kleinen nicht in die Pflicht nehmen wollen, wenn wir Solar- und Windparkanlagen blockieren, dann fehlt uns Überzeugung und Kraft, etwas im Großen von Politik und Wirtschaft einzufordern. Mit Al Gore: Ja, es ist auch eine moralische Frage. Und absehbar eine existentielle. Deshalb könnten wir zwar kurzfristig trostvoll mit einer passenden Bauernregel schließen: "Kalter Februar - bringt ein gutes Jahr." Was aber langfristig werden wird? Da zitieren wir sorgenvoll Herbert Gruhl aus dem Jahre 1975: "Das 20. Jahrhundert wird zur Verelendung des gesamten Erdballs im 21. Jahrhundert führen." Und jeden Tag fällt das Gegensteuern schwerer.”
Uwe-Bend Herchen in der Südthüringer Zeitung vom 1.3.2010, unter: (http://www.stz-online.de/nachrichten/kommentar/seite1stz/art2442,1082334)
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