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Presse2010

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Jubiläum: 30 Jahre Die Grünen

“Persönlich konnte ich [Herbert Gruhl] sogar zufrieden sein, daß ich diesem grünen Schlamassel wieder entronnen war, nicht nur mit heiler Haut, sondern auch noch bei gesundem Verstand.” (Herbert Gruhl, Überleben ist alles. Erinnerungen. München 1987, S. 233)

 

Am 12. und 13. Januar 1980 formierten sich die Grünen in Karlsruhe zur Bundespartei. Für Medien ein Anlaß zurückzublicken, so das Deutschlandradio mit dem Beitrag “Stricken und streiten” oder Tageszeitungen wie die Nordwest-Zeitung unter der Überschrift “Krimi mit Kindern und Karneval

Peter Gauweiler (CSU) gratulierte in der B.Z der 1980 gegründeten und von K-Gruppen dominierten Partei, er habe ihr den Umweltschutz nie abgenommen, im Unterschied zu dem unterlegenen, von ihm “sehr geschätzten Ex-CDU-Abgeordnete Herbert Gruhl” und wünscht “weiter gute Unterhaltung” mit der nunmehr 30 Jahre alten Partei, mit der es nie langweilig wurde:

Grünen-Mitbegründer kommen zu Wort, so in der Heilbronner Stimme Wolfgang Kaiser, per Interview in der FAZ Eva Quistorp, in der Märkischen Allgemeinen Roland Vogt, in der Süddeutschen Angelika Beer (jetzt Piratenpartei), die das inhaltliche Profil der Aussicht auf diverse Posten und Regierungsämter geopfert sieht. Im Deutschlandradio wurde Ralf Fücks interviewt und mit diversen Glückwünschen an die Partei von Peter Gauweiler, Jutta Ditfurth u.a. konfrontiert. In der Badischen Zeitung äußert sich Fritz Kuhn:
“BZ: Haben sich da [bei den Grünen] Menschen nicht auch schlicht hinverirrt? CDU-Mann Gruhl etwa, der Biobauer Baldur Springmann oder die harten Kadermaoisten?
Kuhn: Nein, Wertkonservative wie Springmann und Gruhl waren schon lange nicht mehr zufrieden mit dem, was die Parteien CDU und SPD ökologisch geboten haben. Es war eine Sammlung der unterschiedlichsten Bewegungen. Die Richtungsstreits in Karlsruhe waren nicht einmal die schlimmsten. Die kamen erst später.” Volltext:

Norbert Mann, einer der drei Sprecher der 1980 neugegründeten Grünen, erinnert sich (im Rheinischen Merkur vom 7.1.2010, unter der Überschrift: “Es war ein Fehlstart”) an die chaotischen Anfangstage und präsentiert sich als ein Verbinder zwischen Ökonomie und Ökologie, worauf Grünen-Mitbegründer Jean Fuchs (Autor von “Der grüne Verrat”, s. u.) mit einem Leserbrief reagierte, den der Rheinischer Merkur zwar nicht brachte, dafür die HGG erreichte und hier bekanntgegeben werden darf:

Der Mann mit dem Porsche

Als ehemaliges Gründungsmitglied der Grünen blieb mir natürlich auch Herr Mann in Erinnerung. Positiv fiel mir Herr Mann in Versammlungen in dem Sinne auf, dass er niemanden in der Partei nur allein wegen seiner bisherigen politischen Vergangenheit diskriminieren und jedem Grünen das Recht für einen politischen Neustart zubilligen wollte. Seine Gesinnung war auch radikal basisdemokratisch. Hier waren wohl schon seine ersten liberalen Tendenzen zu erkennen. Vielen fiel damals auf, dass Herr Mann einen schwarzen Porsche mit dem Aufkleber "Atomkraft? Nein danke!" fuhr mit dem er sich auch auf den Parteitagen blicken ließ. Dies veranlasste damals einen FAZ-Redakteur zu einem süffisanten Kommentar. Herr Mann rechtfertigte sich damals mit dem Hinweis, dass er diesen Wagen noch vor seinem Gesinnungswandel gekauft hätte. Vielleicht ergibt sich aber auch schon daraus der Hinweis auf seine Wirtschaftsnähe, die per se sicherlich nicht verwerflich ist. Die damalige Situation war für die meisten Gründungsmitglieder verwirrend und in Teilen nicht mehr nachvollziehar. Somit war es auch kein Wunder, dass der Gründungsprozess zu einem totalen Chaos führte, wo die straff organisierten dogmatischen Kaderlinken die Oberhand zum Schluss gewannen. Ich denke, die Gründung kam zu schnell und überstürzt. Durch das Achtungsergebnis der Europawahlen hatte sich die grüne Bewegung unnötigerweise in einen politischen Erfolgszwang gesetzt, der für eine breite Diskussion schädlich war. Die Grünen hatten auf einmal ein Konzept der Leistungsgesellschaft übernommen, das sie selbst eigentlich in Frage gestellt hatten. Ich weiss nicht wie Herr Mann seine politischen Ziele nunmehr in der FDP formuliert, in jedem Fall wünsche ich ihm dabei aber noch einen befriedigenden Lebensabschnitt. Und wer weiss, vielleicht treffen wir uns einmal zu einer gemeinsamen Fahrt in4 einem Porsche.” (Jean Fuchs, 9.1.2010)

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verratBuchtipp zur Gründung der Grünen:

Jean Fuchs, Der grüne Verrat. Niedergang einer Vision. Essen: Verlag Die Blaue Eule, 167 Seiten, 18,00 Euro (ISBN 3-89924-115-0)

Leseprobe, online: (http://www.der-gruene-verrat.de/theme_2.html)    

 

Siehe auch die Bücher von und über Herbert Gruhl.          

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