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Der Tagesspiegel vom 7.3.2008 Dem 68er zum 68sten Agitierender Bürgerschreck: Eine kleine Geburtstags-Hommage an Rudi Dutschke
“(...) Dutschke stand weder mit einem Bein in Moskau noch in Peking, sondern stets mit beiden Beinen auf der Seite der „Erniedrigten und Beleidigten“. Der real existierende Sozialismus russischer oder chinesischer Prägung war für ihn kein Partner. Er träumte von einem humanen Sozialismus und unterstützte die Dissidenten. Alexander Solschenizyn, in weiten Teilen der Linken in Europa wegen seiner Bücher über den Archipel Gulag totgeschwiegen, hatte in Dutschke einen kritisch-solidarischen Unterstützer.
Die etablierten Parteien fanden auf die Positionen der radikalisierten Studenten keine adäquate Antwort. Sie reagierten mit dem „Radikalenerlass“, den SPD, CDU und FDP auf den Weg brachten. Damit sollte verhindert werden, dass der linke Nachwuchs im öffentlichen Dienst als Briefträger, Lehrer oder Richter beschäftigt wurde. Das stand im krassen Gegensatz zu der von Willy Brandt verkündeten Parole: „Wir wollen mehr Demokratie wagen“. Stattdessen dominierte die nur aus Diktaturen bekannte Schnüffelpraxis der „Berufsverbote“ und „Unvereinbarkeitsbeschlüsse“, die 1978 durch das von Dutschke unterstützte Russel-Tribunal und 1995 durch den Europäischen Gerichtshof als eine Verletzung der Menschenrechte verurteilt wurden.
Kurz vor seinem Tod 1979 vollzog Dutschke eine beachtliche Wende. Als Herbert Gruhl wegen seines Buches „Ein Planet wird geplündert“ die CDU verlassen musste, obwohl er doch nur „die Schöpfung bewahren“ wollte, sagte er: „Was nützt uns der Sieg im Klassenkampf, wenn wir danach auf unserer Erde nicht mehr leben können.“ Beide gründeten das „Bündnis von Gruhl bis Dutschke“, aus dem später die Grünen hervorgingen. Deren Aufbau und parlamentarische Orientierung hatte er unterstützt. (...)”
Der Verfasser ist Europaabgeordneter der Grünen. (Zum vollständige Text)
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