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Presse2000

FAZ, 20.12.2000

Der stille Triumph des Biobauern

Über Paul Erich Etzel

“Vor der [BSE-] Katastrophe gewarnt hat er schon vor vielen Jahren: Paul Etzel, Hessens wohl bekanntester Biobauer. Aber damals wurde er ausgelacht, in der heimischen Region, wie er sich bitter erinnert, sogar bekämpft. Dabei vermittelt sein Hofgut im hessischen Dorf Wehrheim in der Näher von Unsingen durchaus den Eindruck einer heilen Welt. Ganz im Gegensatz zu der oft schneidenden Stimme des Einundsechzigjährigen, der in wenigen Minuten ganze Desaster einer über Jahrzehnte verfehlten Ernährungspolitik darstellt. ‘Ein Vortrag des Bauern Herbert Gruhl hat mich vor zwanzig Jahren sensibilisiert. Vorher war ich genauso blind wie all die anderen. Ich vertraute darauf, daß diejenigen Futtermittel, die mir angeboten wurden, in Ordnung wären.’ (...)

... die Landwirtskollegen, die nun vor einem Scherbenhaufen stehen, bedauert er. Umgekehrt mißtraut er denen, die ihm nun auf die Schulter klopfen und ihn als den Glorreichen rühmen. Die Erinnerung an schwere Zeiten, als er sich durchkämpfen mußte mit seiner Außenseiterstrategie, verliert sich nicht so rasch. (...)

Dieser Mann ist mit sich selbst, seiner Familie und mit seinen Tieren im reinen.”
 

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DIE ZEIT,14.12.2000

Zurück zur Natur

Wenn die Grünen die Ökologie vergessen, zerstören sie sich selbst

Von Reinhard Loske, umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag

“Es gilt ein vergessenes Jubiläum anzuzeigen: Vor fünfundzwanzig Jahren erschien Herbert Gruhls Streitschrift Ein Planet wird geplündert. Das Buch des CDU-Bundestagsabgeordneten, eine Auseinandersetzung mit den Grenzen des Wachstums, die der Club of Rome kurz zuvor ausgerufen hatte, lässt sich heute als eines der wichtigsten Gründungsdokumente der grünen Partei lesen. Intellektuell glasklar, sprachgewaltig und mit reichlich Sendungsbewußtsein ausgestattet, seziert der Wertkonservative Kapitalismus und Kommunismus und kommt zu einem vernichtenden Urteil: In Wahrheit handele es sich bei den ideologischen Antagonisten um ein Geschwisterpaar, um Unterformen des Materialismus. Beide setzten auf ewig währendes Wachstum und zerstörten damit die Basis von Natur und Gesellschaft.

Freilich blieb Gruhls Konzept gegen die planetarische Krise eher vage. Seine Empfehlung: Von den Grenzen her denken, Verzicht aus Einsicht üben und so den “Irrationalismus” unserer Zivilisation” überwinden. Dass dies gelingen könnte, glaubte er allerdings nicht wirklich. In der Einführung seines Buches lässt Gruhl den französischen Dichter Eugéne Ionesco Worte sagen, die wohl auch seiner Grundstimmung entsprochen haben: “Ich predige in einer übervölkerten Wüste. Weder ich noch andere können einen Ausweg finden. Ich glaube, es gibt keinen Ausweg.” Dass sich Kulturpessimismus dieser Art mit traditioneller Parteipolitik nur bedingt verträgt, wurde denn auch schnell offenkundig: Gruhl wurde eines der ersten Opfer des “Systems Kohl” und trat aus der CDU aus, gründete 1980 mit Petra Kelly und anderen die Grünen, wurde einer der Parteisprecher, verkrachte sich mit den Linken wegen deren Vorliebe für Minderheiten aller Art, verließ auch die Grünen im Streit, gründete eine weitere (die Ökologisch-Demokratische Partei) und verschwand gegen Ende der achtziger Jahre in der politischen Versenkung. (...)

... die Grünen [sollten] bei ihren programmatischen Entrümpelungsarbeiten stöbern und nachlesen. Vielleicht stoßen sie unter einer dicken Staubschicht auf Werke von Herbert Gruhl ... man wird .. erkennen, warum es die Grünen überhaupt gibt: weil es eine friedliche Welt nur geben kann, wenn die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten bleiben und die Schätze der Erde zwischen den Menschen einigermaßen gerecht verteilt werden.

Wird diese Hauptwurzel gekappt oder auch nur beschädigt, vertrocknet der grüne Baum.”

 

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Gesellschaft tagte:

Gruhls Ideen bewahren

 

DÜSSELDORF-ANGERMUND. Naturkonservativ – so bezeichnete sich Herbert Gruhl, ehemaliger CDU-Abgeordneter und späterer Mit-Gründer der Grünen, selbst. Dem BUND stand er ebenso vor wie der ÖDP – bis es jeweils zu Zerwürfnissen kam. Sein Buch „Ein Planet wird geplündert“ wurde vor 25 Jahren ein Bestseller. Sein geistiges Erbe zu pflegen und über „Bevölkerungspolitik und Ökologie“ nachzudenken, hat sich die vor einem Jahr gegründete Herbert-Gruhl-Gesellschaft auf die Fahnen geschrieben; am Samstag Abend war Jahreshauptversammlung der Gesellschaft im Haus Litzbrück. Der Gesellschaft geht es beispielsweise um den Tierschutz-Artikel im Grundgesetz; sie setzt sich auch für eine Bevölkerungsschrumpfung in Europa ein. Ihr erstes Jahrbuch „Naturkonservativ heute“ ist jetzt erschienen. Infos unter Tel.: 0511/5490688
 

Rheinische Post vom 12.12.2000

 

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Presseartikel zur Gründung der Herbert-Gruhl-Gesellschaft / ( Berchtesgadener Anzeiger vom 24.01.2000)

„Ein Planet wird geplündert“

Herbert-Gruhl-Gesellschaft gegründet – Experte für Umweltfragen hatte sich Marktschellenberg als Wahlheimat ausgesucht

Vor kurzem gründete sich in Hannover eine „Herbert-Gruhl-Gesellschaft“. Ziel dieser wissenschaftlich-publizistischen Vereinigung ist es, die Verbreitung des Gedankengutes des Umweltpolitikers Dr. Herbert Gruhl zu fördern. Die Gesellschaft ist daher in erster Linie Kontakt- und Anlaufstelle für Wissenschaftler und Publizisten, die über Herbert Gruhl forschen wollen und für alle Menschen, die sich ihm weltanschaulich verbunden fühlen. Der Historiker verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in Marktschellenberg, wo seine Witwe bis heute lebt.

Die Gesellschaft will sich insbesondere darum bemühen, das Gedankengut und die Schriften Herbert Gruhls zu verbreiten und neue Arbeiten zu fördern, die dessen Werk zum Gegenstand haben. Angestrebt wird des weiteren die Durchführung von Tagungen oder Seminaren zu diesem Thema, wobei auch gesitesverwandte Denker und Vorstellungen mit einbezogen werden sollen. Schließlich ist die Herausgabe einer periodisch erscheinenden Schrift mit Aufsätzen über Herbert Gruhl einschließlich einer regelmäßigen Literatur- und Presseschau geplant. Als Vorsitzender der Herbert-Gruhl-Gesellschaft wurde der Historiker Heinz-Siefried Strelow (Hannover), als dessen Stellvertreter der Soziologe Volker Kempf (Düsseldorf) gewählt. Schatzmeister der Gesellschaft ist Andreas Gruhl, ältester Sohn des verstorbenen Umweltpolitikers und dessen Nachlassverwalter.

Der 1921 im sächsischen Gnaschwitz (Kreis Bautzen) geborene Bauernsohn Herbert Gruhl war nach Militärdienst und Kriegsgefangenschaft nach West-Berlin gezogen, wo er an der Freien Universität Geschichte, Germanistik und Philosophie studierte und sich mit einer Arbeit zum Werk Hugo von Hofmannsthals promovierte.

Buchautor mit ganzheitlichem Weltbild

1961 zog Herbert Gruhl mit seiner Familie nach Barsinghausen. Hier engagierte sich Gruhl, der bereits Anfang der 50er-Jahren in die CDU eingetreten war, für seine Partei, die er seit 1965 im Stadtrat vertrat. 1969 gelang ihm der Einzug in den Deutschen Bundestag. Hier profilierte er sich rasch als Experte für Umweltfragen. 1970 bis 1977 fungierte Gruhl als umweltpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Großes Aufsehen und Popularität erreichte er 1975, als er sein Buch „Ein Planet wird geplündert – Die Schreckensbilanz unserer Politik“ vorlegte. Das Werk wurde rasch ein Bestseller, erlebte mehrere Auflagen und wurde bislang in mehr als 500 000 Exemplaren verkauft. Von „Ein Planet wird geplündert“ gingen starke Impulse auf die sich Mitte der 70er-Jahre formierende ökologische Bewegung aus.

Gleichzeitig wuchsen über Fragen der Atom- und Wirtschaftspolitik die Spannungen zwischen Herbert Gruhl und seiner Partei. 1978 verließ er schließlich die CDU und gründete die „Grüne Aktion Zukunft“ (GAZ), die sich ein Jahr später an der Gründung der „Grünen“ beteiligte. 1979/80 deren Bundesvoristzender, trennte sich Herbert Gruhl schon bald wieder von der Alternativpartei, weil diese sich immer stärker extrem linken Positionen näherte. Gruhl hingegen bekannte sich als Konservativer, für den die Bewahrung von Werten wie Familie, Religion und Heimat Bestandteil eines ganzheitlichen Weltbildes waren. Ein Sammlungsversuch der wertkonservativen Umweltschützer in der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP), die Herbert Gruhl mitbegründete und 1982 bis 1989 leitete, scheiterte.

„Himmelfahrt ins Nichts“

In den letzten Lebensjahren wandte sich Herbert Gruhl immer stärker von der (Tages-) Politik ab und der Beschäftigung mit philosophischen Fragen zu. Frucht dieses Rückzuges waren zahlreiche Bücher, etwa „Das irdische Gleichgewicht. Ökologie unseres Daseins“ (1982), „Glücklich werden die sein ...“ (1984) und „Himmelfahrt ins Nichts. Der geplünderte Planet vor dem Ende“ (1992). Mit letztgenanntem Buch, das dem Autor ein kurzzeitiges Comeback in den Medien sicherte, legte Herbert Gruhl eine schonungslose und illusionslose Bilanz vor: Der Mensch sei „zum Überleben zu tüchtig“, die von ihm losgetretene Lawine aus Bevölkerungsexposion, Ausplünderung der natürlichen Ressourcen, Umweltvergiftung und Zerstörung der ökologischen Fließgleichgewichte sei nicht mehr aufzuhalten.

Zurückgezogen auf einen Bauernhof in den Berchtesgadener Alpen, den er 1978 erworben hatte und auf dem er, weiterhin nach Barsinghausen pendelnd, verbrachte Herbert Gruhl seinen letzten Lebensabschnitt. 1991 verlieh ihm die damalige niedersächsische Umweltministerin Monika Griefahn für sein ökologisches Engagement das Bundesverdienstkreuz. Auf Werbungsversuche von CDU-Politikern, ihn zur Rückkehr in seine „Stammpartrei“ zu bewegen, ging er nicht ein; wohl aber trat er aus Sympathie zu Kurt Biedenkopf 1990 noch einmal in Sachsen als Gastredener auf Parteiversammlungen auf. Ende 1992 machte sich ein Magenkrebsleiden bemerkbar. An dessen Folgen verstarb Herbert Gruhl am 26. Juni 1993 in einem Regensburger Krankenhaus.

 

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