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Herbert-Gruhl-Gesellschaft e. V.

HGG-Mitteilugen 2007

4.) HGG-Mitteilung vom 22.11.2007

Herbert-Gruhl-Preis für französischen Umweltschützer: Antoine Waechter

WaechterDem im Elasass lebenden Umweltpolitiker Antoine Waechter wurde am 17. November 2007 in Breisach der Herbert-Gruhl-Preis verliehen. Bürgermeister Oliver Rein ging in seiner Begrüßung der Tagungsteilnehmer auf die Geschichte Breisachs und ihre Beziehungen zu Frankreich, dem Heimatland Wachters, ein. Der Vorsitzende der Herbert-Gruhl-Gesellschaft, Volker Kempf, betonte, Waechters couragiertes Eintreten gegen eine Laufzeitverlängerung des AKW Fessenheim zeuge von seiner unabhängigen ökologischen Perspektive. Kempf machte aber auch deutlich, dass Waechter weitergehend ökologischen Sachverstand in die Politik eingebracht habe und dafür den Herbert-Gruhl-Preis erhalte. Der Laudator, der Historiker Heinz-Siegfried Strelow, zeichnete Waechters politische Laufbahn nach und zog Parallelen zwischen den Entwicklungen der deutschen und französischen Umweltparteien. Waechter und Gruhl hätten als konsequente Ökologen „grüne“ Parteien initiiert, aber beide Anstoß daran genommen, dass „grüne“ Positionen immer mehr verwässert wurden. Sowohl der 1993 verstorbene Umweltschutzpionier Gruhl wie auch Waechter wagten den Schritt, neue Umweltparteien zu gründen, ersterer die Ökologisch-Demokratische-Partei (ÖDP) letzterer die Mouvement Ecologiste Independent (dt.: Unabhängige Ökologische Bewegung). Waechter konnte einige Erfolge verbu- chen, einen Achtungserfolg bei den französischen Präsidentschaftswahlen 1988 (3,8 Prozent), den Einzug ins Europaparlament 1989 (14,7 Prozent) und zuletzt in die Kommunalparlamente unter anderem von Paris und dem Unterelsass. Der Preisträger betonte in seiner Dankesrede, dass die Verengung von Umweltpolitik auf technischen Umweltschutz nicht ausreichend sei, sondern die materiellen Lebensansprüche und die Zahl der Bevölkerung auch für Europa als zu hoch problematisiert werden müssten. Die Ökonomie müsse auf die Ökologie mehr Rücksicht nehmen. In diesem Zusammenhang erinnerte Waechter an die Erfolge der deutsch-französischen Umweltbewegungen im elsässischen Marckolsheim gegen die Ansiedlung einer Chemiefabrik und im südbadischen Wyhl gegen den Bau eines AKW.  (HGG, geschäftsf. Vorst.)  (Siehe auch Pressespiegel 2007b + Nach-Gedanken / “Reflexion” (französisch)           

3. HGG-Mitteilung vom 29.7.2007

Über die ökologische Relevanz der Bevölkerungsentwicklung wird oft falsch berichtet. Eine Klarstellung

Wissenschaftler betonen in jüngster Zeit wieder häufiger die Bedeutung der Bevölkerungsentwicklung für die anthropogene Belastung von Ökosystemen und des Weltklimas. Journalisten tun sich mit dieser Problematik oft schwer. So titelt SPIEGEL ONLINE am 24.07.2007: “Weniger Menschen: Geburtenkontrolle soll Klimawandel stoppen. Werdet einige Milliarden Menschen los, beschränkt die Geburtenrate: Das fordert ein britischer Forscher, um die globale Erwärmung zu bremsen. Doch sein Lösungsvorschlag entpuppt sich als klassische Milchmädchen-Rechnung.)” Gewiß, immer mehr PS unter der Motorhaube haben zu wollen bedeutet mehr Energieverschwendung und mehr Kohlendioxydausstoß. Hier müßte im Interesse des Klimaschutzes angesetzt werden, meint SPIEGEL-ONLINE. Richtig. Aber ebenso haben Rapley und die Wissenschaftsorganisation OPT völlig recht, daß die absolute Bevölkerungszahl eine ökologisch relevante Größe darstellt. Auch die Bevölkerungsdichte Deutschlands übersteigt ja die Grenzen der ökologischen Dauertragfähigkeit bei weitem, selbst wenn alle am Existenzminimum leben würden! Für eine optimale Ökobilanz müßte an beiden Schrauben gedreht werden: an den überhöhten Bevölkerungszahlen und Vermehrungsraten sowie den überhöhten materiellen Ansprüchen. Das betrifft dann alle Kontinente der Erde.


China hat die USA beim Kohlendioxydausstoß fast schon überholt, obwohl der Lebensstandard dort weit geringer ist als in den USA. Woher kann das nur kommen? Die Anlagen sind dort veraltet, ein hoher technischer "Nachholbedarf" wird geltend gemacht. Gut und richtig. Aber entscheidend ist eben auch, dass China über viermal so viele Einwohner hat wie die USA. Reichen die Mathematik-Kenntnisse des “Spiegel” aus, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen? Gandhi hat 1928 gesagt: "Gott verhüte, dass Indien jemals zu einer Industrialisierung nach dem Muster des Westens schreitet. ... Falls eine ganze Nation mit 300 Millionen Einwohnern auf eine ähnliche ökonomische Ausbeutung setzt, würde die Welt kahlgefressen ...", also der Planet Erde geplündert werden. Gandhi hat damals die beiden entscheidenden Schadgrößen klar gesehen; der Spiegel kann das heute offenbar nicht.


Ergo: Wir müssen weg von unserer verschwenderischen Protzerei und unseren überhöhten Bevölkerungszahlen, anderswo muss man weg von den überhöhten Vermehrungsraten; das Bestreben, uns die Vergeudung nachzumachen, ist den Schwellenländern moralisch nicht abzusprechen, in ihrer ökologischen Konsequenz aber zu sehen. Gerade weil anderen Völkern nicht abgesprochen werden kann, das zu tun, was wir tun, nämlich zivilisatorisch gut zu leben, ist eine Eingrenzung der Bevölkerungsvermehrung um so bedeutsamer. Wir brauchen viele Maßnahmen; der vom SPIEGEL genannte Abschied von der PS-Protzerei ist keineswegs die EINZIG nötige. Da produziert der Spiegel genau das, was er selber als "Milchmädchenrechnung" bezeichnet. Wer ständig von einem EINZIGEN Ausweg redet, hat oft keinen Platz mehr für den Gedanken, was AUCH (oft sogar vorrangig) nötig ist. Was sagt ein Wissenschaftler, der differenzierte Berechnungen in den Medien derart süffisant behandelt sieht? Die HGG fragte den mit der Ökosystemanalyse vertrauten Mathematikprofessor Dr. Dietrich Schwägerl. Antwort: “Entstellende Berechnungen war ich [Schwägerl] von ideologisch fixierten Demagogen (aus Politik, Wirtschaft etc.) bis zum Überdruss gewohnt; es ist das genaue Gegenteil von objektiv richtiger Sachinformation auf der Basis der Fakten.”  
(Volker Kempf, HGG-Vorsitzender)
 
         

2.) HGG-Mitteilung vom 21.7.2007

Klima und Bevölkerungsdruck als Kriegsursachen

Forscher um David Zhang von der Universität Hongkong hatten Berichte über 899 Kriege in Ostchina zwischen den Jahren 1000 und 1911 ausgewertet und dabei Zusammenhänge mit Klimadaten festsgestellt. “Fast alle Höhepunkte kriegerischer Aktivitäten oder der Wechsel von Dynastien fielen mit Kälteperioden zusammen”, schreiben die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Wissenschafts-Journals Human Ecology. Die Kälte ließ vermutlich Ernteerträge schlechter ausfallen, weshalb die Menschen unter “ökologischen Streß” gerieten. Auch der Bevölkerungsdruck habe dazu beigetragen, dass es bei Ernteeinbußen zu Kriegen kam.

Was ist von dieser Diagnoise zu halten? Man könnte einwenden, die moderne Zivilisation sei nicht mehr so sehr den Launen der Natur ausgesetzt und daher potentiell friedvoller. Auf den ersten Blick trifft das zu. Allerdings zeigt sich genauer besehen, dass sich kriegerische Konflikte in Form internationaler Militäreinsätze häufen, an denen neben den USA auch EU-Staaten beteiligt sind. Zu berücksichtigen ist, dass der weltweite Bevölkerungsdruck in den letzten Jahrzehnten - bei weiter steigender Tendenz - erheblich gestiegen ist. Die Vorzüge fortgeschrittener Zivilisation kann nur ein Bruchteil der Gesamtbevölkerung der Erde nutzen, die damit bereits die Fischbestände an den Rand des Ruins gebracht haben. Die Getreideproduktion hält nicht mit dem Bevölkerungswachstum Schritt (siehe Graphik).
weltbevoelkerung
Auch dieses Jahr 2007 wird die weltweite Getreideerzeugung nicht mit dem steigenden Bedarf Schritt halten können. Dabei rechnet der Internationale Getreiderat in einer ersten umfassenden Schätzung für das laufende Produktionsjahr 2007/08 sogar mit einer neuen Rekordernte, berichtet der Landvolk-Pressedienst im Mai 2007. Der Klimawandel wird globale Veränderungen mit sich bringen, die weite Teile der Welt treffen, die weniger wohlhabenden Staaten in der Regel besonders. Insbesondere in Ländern, in denen die Bevölkerung stark anwächst (z.B. China), wird bereits in wenigen Jahren ein grosses Defizit zwischen Getreidekonsum und -herstellung erwartet. Mit Recht folgert daher nach Einschätzung des Vorsitzenden der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V., Volker Kempf, der Wissenschaftler Zhang, wie er sich selbst ausdrückt: dass der absehbare Mangel an Süßwasser, Energie und Ackerland “sehr wahrscheinlich neue Kriege zwischen Kulturen” zur Folge haben wird. Schwindende Energie- und Rohstoffvorräte könnten für die zivilisierte Welt neue Auslöser für Auseinandersetzungen sein. Auch die landwirtschaftliche Produktion ist auf den Einsatz von Öl angewiesen, das nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur in Paris binnen drei Jahren in eine Angebotskrise geraten wird, wie Financial Times Deutschland am 21.7.2007 berichtet. Die Diagnose von der “Plünderung des Planeten” als Ausgangspunkt für Kriege und Spannungen im nachideologischen Zeitalter wird damit einmal mehr erhärtet, die Bedeutung des Bevölkerungsdrucks unterstrichen. Zhang empfiehlt, Historiker sollten diese Zusammenhänge künftig berücksichtigen. Das unterstreicht in wissenschaftlicher Hinsicht die Bedeutung einer Teildisziplin “Umweltgeschichte” - und vergleichbarer Fächer wie Umweltsoziologie und Umweltökonomie -, deren “Institutionalisierung in Zeiten leerer Kassen schwer fällt”, wie Prof. Hans-Heinrich Nolte bereits im Jahrbuch Naturkonservativ heute (2006) feststellt. (Der geschäftsführende Vorstand)   

1. HGG-Mitteilung vom 26.5.2007

15 Jahre “Himmelfahrt ins Nichts”

Vor 15 Jahren wurde Herbert Gruhls “Himmelfahrt ins Nichts. Der geplünderte Planet vor dem Ende” veröffentlicht. Arnulf Baring zeigte sich auf der Pressekonferenz beeindruckt. Einige Zeitungen brachten Auszüge aus Gruhls neuem Buch. In Fernsehsendungen zeigten sich die Diskutanten irritiert. Die Buchveröffentlichung fiel mit der UN-Umweltkonferenz in Rio de Janeiro zusammen. Politiker und auch Journalisten waren bemüht, ein bischen Aufbruchstimmung aufkommen zu lassen. Da waren Gruhls Töne dann nicht ganz passend. Nach 15 Jahren wäre nichts schöner als eine Erfolgsbilanz der weltweiten Umwelt- und Klimaschutzbemühungen. Doch was ist 15 Jahre nach Rio zu melden? Eine Schreckensbilanz. Denn die Bemühungen um den Ressourcen- und Klimaschutz beschränkten sich auf den technische Umweltschutz. Selbst das reichte nicht aus, um einen kleinsten allgemein Nenner in der internationalen Staatengemeinschaft zu Wege zu bringen. Gemeint ist die UN-Klimakonferenz in New York am 12. Mai 2007, auf der das Zustandekommen eines internationalen Regelwerks zur nachprüfbaren Reduktion von Treibhausgasen scheiterte, weil die EU, vertreten durch Sigmar Gabriel, ehrlicherweise meinte, kein Regelwerk sei besser als ein schlechtes.

Weltweit stiegen die auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurückgehenden Kohlendioxydemissionen an. Auch das Umweltmusterland Deutschland, für das es sich selbst gerne hält, steigerte 2006 gegenüber dem Vorjahr seinen Kohlendioxydausstoß aufgrund erfolgreicher Bemühungen beim Wirtschaftswachstum. Weltweit steigen die materiellen Lebensansprüche. Vornean liegt hierbei China, das in Kürze die USA als Klimasünder Nr. 1 überrunden wird - mit einem geringeren Pro-Kopf-Energieverbrauch versteht sich. Den Ausschlag gibt die Bevölkerungszahl. Die Bevölkerung wächst weltweit weiter und erhöht den Druck auf die Ökosysteme. Die Herbert-Gruhl-Gesellschaft kann da nur an die Informationsaufgabe der Medien erinnern, umfassend und wahrheitsgetreu zu berichten. Einen Anlaß boten hierfür im März 2007 Wissenschaftler, die auf die Folgen des ungebremsten Bevölkerungswachstums hinwiesen. Der Münchner Merkur berichtete unter den deutschen Zeitungen ausführlich.  

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