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30.11.2006
Nachhaltigkeit braucht Besinnung
Die UN-Klimaschutzkonferenz in Nairobi machte wieder einmal deutlich: Die Plünderung der Erdvorräte wird weitergehen, die Treibhausgasemissionen werden zunehmen. In der FAZ vom 29. November 2006 wird noch einmal deutlich aufgezeigt: „Die Welt verbraucht mehr ÖL“ – und Gas. Der Erdöl- und Erdgasverbrauch steigt vor allem durch die Schwellenländer in den nächsten Jahrzehnten weiter an. Denn der Energieverbrauch nimmt insbesondere durch die drei bevölkerungsreichsten Länder der Welt, also China, Indien und die USA, zu. Energieeffizienz sorgt dafür, daß die Zuwachsraten etwas gedrückt werden, können aber an der Tendenz nichts ändern. Das klingt desillusionierend. Trotzdem will vor den globalen Herausforderungen niemand resignieren. Jeder noch so kleine Beitrag, Natur und Umwelt zu schonen, bleibt schließlich sinnvoll.
“Bewahren, nicht plündern”, wie ein Motto Herbert Gruhls aus den 1980er Jahren lautet, das will sich mittlerweile jeder auf die Fahnen schreiben. Das gilt besonders für Firmen und Kommunen. Da wird unter einem bestimmten Aspekt etwas für die natürliche Umwelt oder die Ressourcenschonung getan und damit Werbung gemacht. Doch mit einzelnen Aspekten ist es so eine Sache. Zwar können beispielsweise Hallenbäder mit billigem Palmöl betrieben werden, also mit einem nachwachsenden Rohstoff. Gegenüber dem herkömmlichen Gas-Betrieb kann das mehrere tausend Euro pro Jahr einsparen. Geld gespart und für die Umwelt etwas getan, wer kann dazu schon nein sagen? Das klingt gut, aber so einfach geht das leider nicht. Denn Palmöl wird angebaut, wo eigentlich Regenwälder standen. Wer es anschaulich mag, lese einen Reisebereicht aus der Politischen Ökologie (Nr. 100/2006, S. 70): „Ich [Daniel Hausknost] sitze in einer Boing der indonesischen Fluglinie Garuda und lasse meinen Blick über die Landschaft Sumatras schweifen. Zum Glück habe ich keinen Regenwald erwartet. Ich bin Umweltschützer, also Realist. Unter mir erstrecken sich Millionen Hektar Ölpalmenplantagen. Dort, wo noch vor wenigen Jahren dichte Tieflandregenwälder von tausenden Orang-Utans bevölkert wurden. Im Jahr 2005 sind die letzten Flecken davon für immer verschwunden.“
Aber nicht nur Regenwald geht für Palmöl verloren. Die billigen Palmölpreise sind zudem nur mit sozialer Ausbeutung möglich. Sogar Menschenrechtsverletzungen werden in den Anbaugebieten begangen, vor allem in Indonesien. Darauf weisen Umweltschutzorganisationen wie Robin Wood immer wieder hin. Ressourcen werden trotzdem geschont, nämlich die Erdölreserven. Doch von Ressourcenschonung zu sprechen und den damit verbundenen Preis zu verschweigen ist eine Halbwahrheit, also eine halbe Lüge.
Nachhaltigkeit oder Zukunftsfähigkeit sind wichtig, aber ohne eine Gesamtrechnung anzustellen, wird ein Umweltmedium nur auf Kosten eines anderen entlastet. Auf den Ruf nach Windenergie folgte daher rasch der nach ihrer Begrenzung, weil die Landschaft beeinträchtigt wird. Bio-Sprit zu tanken wird als „grüne“ Lösung gefeiert und subventioniert, doch folgen dann erste Studien, daß das ineffizient ist. Am besten ist noch immer die Energie, die nicht gebraucht wird.
Nicht böse Absicht, sondern Selbstbetrug untergräbt viele gut gemeinte Maßnahmen für den Natur- und Umweltschutz. Gedankenlosigkeit und unbegründete Hoffnung finden nur zu leicht zusammen. Dagegen hilft nur, sich zu besinnen und eine gute Opposition, die Widersprüche aufdeckt und zum Thema macht. Andernfalls bleibt Umweltschutz ein Schlagwort, wird aber nicht zu einem ernsten Begriff.
Eine besinnliche Adventszeit wünscht Volker Kempf (HGG-Vorsitzender)
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Oktober 2006: Heinz Sielmann - Naturfilmer mir ökologischem Sachverstand
Von HGG-Mitglied Günter Neumann
Heinz Sielmann (2.6.1917 – 6.10.2006), dessen Sendungen „Expeditionen ins Tierreich“ aus den Jahren 1965 bis 1991 legendär sind, war wohl der letzte, der gefilmte Naturbeobachtungen mit Umwelteinbindungen und ökologischen Fließgleichgewichten – vorsichtig – in Verbindung brachte. Das wurde ihm sicher noch von seinen beruflichen Freunden angetragen, Grzimek, Stern und Eibesfeldt. Übrig blieb sein abgeleiteter Spruch: „Gebet dem Menschen, und der Natur, was der Natur ist.“
Doch das ist inzwischen längst vorbei! Der neue Trend heißt: Naturfilme ohne Probleme. Beeinflussung und Einengung durch den Menschen, insbesondere des Lebensraums, werden nicht thematisiert, Pflanzen- und Tierwelt stehen beziehungslos nebeneinander. Besonders demagogisch verpackt ist das bei den personifizierten Filmen von BBC und Discovery, die zudem noch – trotz 2-Kanal-Ton Übertragungstechnik – immer zweisprachig ineinander überblendet in möglichst gleicher Lautstärke gesendet werden, so daß man mit den Auseinanderhalten der Sprachen konzentriert ist und nicht über den Inhalt mit- und nachdenken kann. Einfach nur eine kulinarisch unpolitische Unterhaltungsstunde.
Einfach nur noch zu unterhalten klappt aber nicht immer so einfach: Die sechsteilige japanische Fernsehserie „Wunderbarer Planet“, gesprochen von Klaus Eckert, wurde nachträglich auf drei Filme zusammengestrichen und mit einem harmlosen Begleitgerede versehen. Beide Fassungen wurden seit 15 Jahren nicht mehr gesendet.
Die erst vor wenigen Jahren vom Österreichischen Fernsehen gefertigte Serie “Rastlose Gipfel“, gesprochen von Otto Clemens, wurde nur einmal in 3sat ausgestrahlt. Danach hat der Bayerische Rundfunk eine Zensurfassung, gesprochen von Joachim Höppner, angefertigt, die eine unübertrefflich üble Verharmlosung und Volksverdummung darstellt („Ach ist das Murmeltier schön wachsam“). Allein nur diese ökologiefeindlichen Verfälschungen können einen ökologisch denkenden Menschen nur wütend oder fassungslos machen.
Doch dahinter steckt Methode. Der ewige Gegensatz zwischen Mensch und Natur wird verschwiegen oder gar geleugnet (geförderter Ökooptimismus), ebenso die Tatsache, daß die real existierenden westlichen Werte grundsätzlich unökologisch sind. Denn schließlich gibt es nur Verantwortung gegenüber dem Geld, und nicht der Sache Natur. Und bekanntlich sollst Du keine anderen Götter haben neben mir. Daß sich entsprechende Protagonisten mitunter konservativ nennen, ist eine Lebenslüge.
Für die Linken ist der Universalanspruch der Ökologie übrigens auch nur ein Konkurrent. Die von Matthias Platzeck geführte Brandenburger Landesregierung hat inzwischen den gesamten Umweltschutz quasi abgeschafft. Die Naturschutzgebiete sind aufgehoben, das Grundwasser kann abgepumpt und alle Bäume können gefällt werden. Die Gewässer dürfen zum Wohle des Menschen leergefischt und als Hochgeschwindigkeitsbahnen für Motorboote mißbraucht werden. Demnächst werden sie dann für die Europa-Hochseeschiffahrt freigegeben, was bestimmt ein paar neue Arbeitsplätze schaffen wird.
Das alles hat Sielmann noch bewußt miterlebt. Und er war klug genug, über seine („Apfelbäumchen“-)Stiftung hinaus auch die fatale Entwicklung zu sehen. „Ein paar Schlenker“ (Herbert Gruhl) zu machen, als wäre dem doch nicht so, hat Sielmann verbal nicht mitgemacht. Aus Sielmanns späten Vorträgen war das deutlich genug zu entnehmen. Er hatte schließlich auch ökologischen Sachverstand.
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Der Text erscheint in “Naturkonservativ heute. Jahrbuch der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. 2007” im Rahmen des “Ökologischen Tagebuches”.
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13.9.2006
Wachstum der Umweltzerstörung
In letzter Zeit erreicht die Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. immer wieder Post mit Artikeln, etwa zur Plünderung der Meere, zur wirtschaftlichen Expansion des Milliardenvolkes China und den damit verbundenen Auswirkungen für Klima, Ressourcen und natürliche Umwelt, auch zum Bevölkerungswachstum allgemein. Die Texte sind dann mit Begleitschreiben versehen, daß Herbert Gruhl eben diese Entwicklung schon vor Jahrzehnten hat kommen sehen. So ist es. Bleibt hinzuzufügen, daß einer schonungslosen Analyse der Lage der Menschheit mit dem gebotenen Ernst begegnet werden muß, um nicht unangenehm überrascht zu werden, sondern auch im vollen Bewußtsein reagieren zu können. Gewiß, Jahrzehnte sind vergangen, seit “Die Grenzen des Wachstums” (Meadows) und “Ein Planet wird geplündert” (Gruhl) erschienen sind. Aber noch größere Katastrophen zu verhindern ist es nie zu spät. Anzeigenkampagnen wie jene der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft unter der Überschrift “Wachstum! Und so geht`s”, wonach - mit Zitaten von Politikern unterschiedlichster Couleur unterlegt - „Wachstum“, „Wachstum“, „Wachstum“ und nochmals „Wachstum“ der Wirtschaft die Lösung schlechthin sei, greifen da sicher zu kurz, wird man über konkrete Maßnahmen wie Bildungsförderung auch diskutieren können. Aber Wachstum kann übertrieben werden und korreliert mit Umweltverbrauch. Darin waren sich auf der HGG-Mitgliederversammlung am 9. September 2006 in Würzburg alle einig. Daß Wachstum nicht alles ist, hat sich mittlerweile auch bei klugen Köpfen wie Meinhard Miegel oder Kurt Biedenkopf herumgesprochen. Die weitergehende Frage muß also lauten, wie aus der „Wachstumsspirale“ herausgefunden werden kann. Dieser Schlüsselfrage hat sich der Ehrenvorsitzende der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V., Prof. Dr. Hans Christoph Binswanger, in seinem gleichnamigen Buch angenommen, das kürzlich erschienen ist. Wir werden am Thema dran bleiben.
Ihr - wiedergewählter - HGG-Vorsitzender Volker Kempf
Siehe auch: Der neue Vorstand der HGG
Spendenkonto der HGG: KTO 225983, Stadtsparkasse Hannover, BLZ 25050180
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Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. weist auf wichtige Tierschutz-Petition hin
Gänsestopfleber durch die Hintertür relativiert deutsche Tierschutzbestimmungen
Einigen Landwirten sind die sogenannten Nutztiere mit ihrem natürlichen Freßbedürfnis nicht nützlich genug. Ein klassisches Beispiel ist die gestopfte Gans oder Ente. In Deutschland ist die Methode, bei der eine 40 bis 50 Zentimeter lange Röhre durch den Schnabel bis in den Magen eines Tieres eingeführt wird, nicht erlaubt. Denn die Leber wird zwar wie gewünscht groß, verdrängt dafür aber andere Organe; auch führt die Zwangsfütterung regelmäßig zu Verletzungen, die nicht abheilen können. Das betreffende Tier muß Qualen erleiden. Importiert und weiterverkauft werden darf allerdings Stopfleber schon. Durch diese Regelung wird das deutsche Verbot der Stopf-Methode an Tieren faktisch unterlaufen. Deutsche Landwirte haben davon keine Vorteile, weil andere das Geschäft machen. Das ist ein Zustand, über den sich ein unbefangener Betrachter nur um so mehr wundern kann, so wie Christina Kremer, die am 3. April 2006 beim Petitionsausschuß des Deutschen Bundestags eine Petition eingereicht hat und via Internet von weiteren Personen unterstützt werden kann. Demokratie zum Mitmachen ist das, unter: http://itc.napier.ac.uk/e-Petition/bundestag/view_petition.asp?PetitionID=127.
Die Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. weist gerne auf diese Aktion hin, die am 21. April schon rund 700 Unterstützer gefunden hat.
(V.K., 21.4.2006)
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Landtagswahlen vom 26. März 2006
Eine von Herbert Gruhl in den 1980er Jahren geführte Umweltpartei gibt es noch immer, muß sich aber Sorgen um ihre Zukunft machen
Ein Heer von Sozialwissenschftlern wird sich mit den ersten drei Landtagswahlen nach der Bildung der großen Koalition im Bund beschäftigen, etwa mit den Gewinnen und Verlusten der “Grünen”, welche uneinheitlich ausfallen. An dieser Stelle soll daher das Augenmerk auf einen Aspekt gerichtet werden, der ansonsten kaum Beachtung findet. Denn die einst von Herbert Gruhl - nach seinem Austritt bei Die Grünen 1981- 1982 bis 1989 geführte und auf naturkonservativen Kurs gebrachte Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) verlor in einem ihrer Stammländer (Baden-Württemberg) abermals: von ihrem bisherigen Spitzenergebnis von 1,9 Prozentpunkten im Jahre 1992, blieb nur noch ein Bruchteil von 0,5 Zählern übrig. Ähnlich sieht es in Rheinland Pfalz aus, wo die ÖDP von einst knapp einem Prozentpunkt noch 0,2 Zähler verteidigen konnte. All dies gilt bei einer deutlich geringeren Wahlbeteiligung, so daß die absoluten Stimmenverlust noch größer ausfallen. Die ÖDP schrumpft damit immer mehr auf ihren bayerischen Landesverband zusammen, in dem sie seit mehreren Wahlen eine gewisse Kontinuität von um 2 Prozentpunkten gewinnen konnte und kommunalpolitisch sowie mit Volksbegehren präsent geblieben ist.
Als Ursachen für den Abstieg der ÖDP können geltend gemacht werden: daß sie sich den Bündnisgrünen inhaltlich angenähert hat und auch bei ihrem Hauptunterscheidungsmerkmal, der Abtreibungsfrage, an Profil verlor. Die Grünen haben sich hingegen als Umweltpartei fest etabliert und sind gerade in Baden-Württemberg realpolitisch geprägt. Der sperrige Name der ÖDP kommt als Erschwernis hinzu. Daß Bündnis 90/Die Grünen als frühere Regierungspartei durch machtpolitische Opfer an Profil verloren haben, kann zwar eingewendet werden, reichte aber am Ergebnis gemessen nicht aus, um eine nennenswerte Zahl von Wählern für eine als idealistisch geltende ÖDP zu gewinnen.
Immerhin konnte die ÖDP in Sachsen-Anhalt in Form eines Wahlbündnisses mit der Bezeichnung GUT mit 0,8 Prozentpunkten nahe an die Wahlkampfkostenerstattungshürde von einem Prozent herankommen. Auch in der Vergangenheit erzielte die ÖDP, indem sie mit ihren Kandidaten auf Wahllisten der Familienpartei antrat, noch die beachtlichsten Ergebnisse - auf Länderebene von bis zu 3 Prozent (am 5. September 2004 im Saarland). Für die Zukunft der ÖDP müßte das nüchtern betrachtet ein klarer Wink dafür sein, ihre Kräfte zumindest bei anderen Kleinstparteien mit griffigen Namen einzubringen.
(Weiterführende Literatur: Heinz-Siegfried Strelow, Aufstieg und Niedergang konservativer Umweltparteien in Europa, in: Naturkonservativ heute. Jahrbuch der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. 2006, Essen: Die Blaue Eule, 2006, S. 98-113).
(V.Kempf, 27.3.2006)
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Dem “Bio”-Diesel wird Regenwald geopfert
Mit dem Anstieg der Benzinpreise in den letzten Jahren drängt sich die Frage nach Alternativen auf; die Ölvorkommen sollen weniger intensiv geplündert werden. Als technische Lösung ist hierbei immer mehr vom Einsatz von “Bio”-Diesel die Rede. Nur, wo soll der neue “Bio”-Kraftstoff herkommen, dem die Zukunft des Straßenverkehrs gehören soll? Skeptiker weisen schon lange darauf hin, daß die fruchtbaren Böden auf der Erde schon für den Lebensmittelanbau reserviert sind und daher etwa durch eine Rodung von Regenwäldern gewonnen werden müßten.
Aber warum müßten? Auf der Homepage des Vereins Rettet den Regenwald (www.regenwald.org) ist zu erfahren: “Mehrere Millionen Hektar Regenwald wurden in Indonesien bereits für Palmöl-Plantagen vernichtet, zwei Millionen Hektar sind jetzt akut auf Borneo bedroht. Trotzdem will die niedersächsische Landesregierung eine Palmöl-Raffinerie in Emden mit Steuergeldern fördern. In der sollen ab 2007 jährlich rund 430000 Tonnen Palmöl aus Indonesien zu „Bio“-Diesel verarbeitet werden.” Folglich solle man bei Ministerpräsident Wulff “gegen die indirekte Subventionierung von Regenwaldzerstörung” protestieren. Was als Lösung für die Zukunft ausgegeben wird, ist in Wirklichkeit noch immer Ausdruck einer “staatlich subventionierten Plünderungswirtschaft” (Herbert Gruhl).
Es bleibt also bei dem, was Herbert Gruhl schon 1975 in “Ein Planet wird geplündert” geschrieben hat und nur wiederholt werden kann: daß der Menschen von den Grenzen des Planeten her denken und handeln muß. Einfache technische Lösungen gibt es nicht. Das materielle- und energetische Anspruchsniveau ist weltweit gerechnet nicht zukunftsfähig und bei uns sogar im internationalen Vergleich als hoch zu werten. Sicher wurde die Effizienz gesteigert, so daß mit weniger Energie mehr geleistet werden kann. Aber die Probleme der Plünderung des Planeten Erde sind geblieben. Dabei ergibt sich die Gesamtbelastung eines Lebensraums durch Multiplikation des durchschnittlichen persönlichen Lastanteils mit der Zahl der Partizipanten an den einschlägigen Prozessen. Selbst wenn in Deutschland die Ansprüche an den Lebensraum auf ein nicht unterschreitbares Minimum gesenkt würden, wäre die ökologische Dauertragfähigkeit noch immer überlastet. Daher ist eine Abnahme der Bevölkerungszahl unerläßlich und damit auch die in Deutschland 2005 abermals zurückgegangene absolute Geburtenzahl auf 676000 Kinder (gegenüber 706000 in 2004) für sich genommen ein ökologisch begrüßenswertes Resultat. Die Politik klagt hierüber, kann sich aber der Aufgabe, entsprechende Bewußtseinsbildung zu betreiben und geeignete Strukturen zu schaffen, nicht entziehen. Die Versuche der Quantitätssteigerung bei den Geburten haben hingegen weder nennenswerte Früchte getragen, noch sind die qualitativen Ergebnisse ansehnlich, betrachtet man die PISA-Ergebnisse, die Drogenrate und anderes mehr. Die demographische Herausforderung muß im Angesicht der Plünderung des Planeten und des allgemeinen gesellschaftlichen Verfalls anders angegangen werden, wenn Zukunft gewonnen werden soll; (mehr hierzu: Kempf, V.: Die Plünderung des Planeten und die demographische Herausforderung”, in: “Naturkonservativ heute. Jahrbuch der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. 2006)
(V.K.)
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Mitteilung der HGG vom 2. März 2006 zur 76. internationalen Automobilmesse in Genf
Das Auto verzehrt seine Zukunft
Das Automobil wird vom 2. bis 12. März zum 76. Mal auf der internationalen Automobil- und Zubehörmesse in Genf als zukunftsfähiges Objekt präsentiert. Neben kraftstrotzenden Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen gibt es auch Mittelklassewagen für die Familie mit Hybridantrieb – vorzugsweise aus Japan und Frankreich. Damit kann im Stadtverkehr die Bremsenergie in die Akkus geladen werden. Das spart Strom und Benzin. Mercedes setzt indes mit „Bluetec“ auf den saubersten Diesel der Welt, der ebenso sparsam sein soll wie ein hybridangetriebenes Fahrzeug und ab September zunächst auf den US-Markt drängt. Bei Volkswagen heißt das „Konzept für eine nachhaltige Energiepolitik“ – in den Worten ihres Chefes Bernd Pichelsrieder – „vor allem Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen“. Diese sind vor allem auch relativ günstig, was sich bei Serienreife entsprechender Motoren aber bald ändern dürfte, da dann auch die Nachfrage nach Biokraftstoffen steigt. Die japanische Luxusmarke Lexus bietet auch einen Wasserstoff-Hybrid-Antrieb an. Allerdings muß auch Wasserstoff erst einmal energieaufwendig hergestellt werden. So einfach Wasser tanken kann man auch heute nicht. Das Auto verzehrt also weiter seine eigene Zukunft und versucht mit immer besserer Technik sie wieder zu gewinnen. Die Zukunft des Autos bleibt damit unsicher. Sicher ist nur die Zukunft des Fahrrades, das zudem seinen Fahrer fit hält, der ansonsten leicht einer Zivilisationskrankheit anheim fällt. Das war jedenfalls schon Herbert Gruhls Ansicht in den 1970er Jahren, nachzulesen in dem dieser Tage erscheinenden Jahrbuch 2006 „Naturkonservativ heute“ der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V.
(V.K.)
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