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Wider die geistige Auszehrung
Vor mehr als 30 Jahren, 1978, schrieb Herbert Gruhl „Das Grüne Manifest“, das Programm der Grünen Aktion Zukunft (GAZ), aber nicht alleine. Mitverfasserin war die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Christa Meves. „Das Leben beginnt in der Familie“, und für die Kinder sind Mütter unentbehrlich, also sind sie für das Volk am wichtigsten. So konnte man das sehen, doch der Zeitgeist wertete die Arbeit der Mütter und Hausfrauen ab, zur „Nur Hausfrau“. Diese Abwertung werde der Gesellschaft schlecht bekommen. Eine finanzielle Anerkennung der mütterlichen Leistungen sei wichtig. Mittlerweile gibt es Konzepte, Mütter, die ihre Kinder nicht gleich nach zwei Jahren in die Kita schicken wollen, ihre Leistung finanziell anzuerkennen, was weniger Geld koste als die Kita zu finanzieren. Meves ist ihrer Position treu geblieben und griff jüngst für den familienpolitischen Teil eines Programms einer Kleinpartei erneut zur Feder, beinahe schon aus Verzweiflung, wie sie in ihrem Buch “Es ist noch nicht zu spät” erklärt:
„Das ist so ähnlich, wie wenn man aus einer völlig belagerten Stadt, der die Gefahr droht, gestürmt zu werden, einen Ausfall macht. Das ist ein fast schon verzweifelter Versuch, wie das ja auch die katholischen Arbeitskreise in der CDU und CSU sind [die Meves unterstütze]. Die Kindheit und die Familie zu verteidigen, vor diesen Karren bin ich ab 1969 gespannt worden. Ich werde mich doch jetzt, nach dem meine Prognosen von damals eingetreten sind, nicht in die stille Ecke zurückziehen. Das werde ich nicht tun können! Die AUF-Partei hat ja mein Familienprogramm weitgehend übernommen, wie übrigens auch früher schon die Grüne Aktion Zukunft von Herbert Gruhl, und das hat mich natürlich auch bewogen da mitzumachen.“
Die AUF-Partei hat sich 2008 gegründet, wollte ursprünglich ÖDP, PBC und Zentrumspartei bündeln, doch wurde im Ergebnis daraus eine Sammlung von Abspaltungen aus allen drei Lagern. Die irischen EU-Verfassungsvertragskritiker „Libertas“ unterstützten AUF, auch Eva Herman stand für Wahlkampfauftritte bereit. Doch der große Schwung ist bisher ausgeblieben; so richtig nach vorne gewagt hat sich von den Prominenten aus der ersten Reihe niemand. In Baden-Württemberg will AUF laut Homepage (www.auf-partei.de) in 28 von 70 Wahlkreisen antreten, wofür sie pro Wahlkreis erst einmal 150 Unterstützungsunterschriften vorlegen muß - oder eben nicht auf dem jeweiligen Wahlzettel erscheint. AUF dürfte damit assoziativ noch mehr für Aufbauarbeit als für Aufbruch stehen.
Das allgemeine Werbeflugblatt will im Zuge dieser Aufbauarbeit vor allem Leute ansprechen, die an eine „geistig moralische Wende“ (Helmut Kohl) durch die CDU nicht mehr glauben wollen. In der Tat ist aus besagter Wende nicht viel geworden. Im Gegenteil war Herbert Gruhl 1978 mit seinem Parteiaustritt nur der Anfang vom Ende, nämlich des Rückzugs des Geistes aus der „C“-Partei. Geistige Auszehrung ist in der Politik ein drängendes Problem, sicher nicht nur bei der Union. (V. Kempf, 19.1.2011)
Literatur:
Christa Meves/Michael Ragg: Es ist noch nicht zu spät! Neue Wege in eine lebenswerte Welt. Gerhard Hess Verlag 2010
Volker Kempf: Christa Meves. Kritik an der Emanzipationsbewegung, neue Weiblichkeit, die Zukunft der Kinder. Gerhard Hess Verlag 2008
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