|
Neues Buch von Prof. Dr. Hans Christoph Binswanger: “Vorwärts zur Mäßigung. Perspektiven einer machhaltigen Wirtschaft”
Herbert Gruhl und Prof. Hans Christoph Binswanger verband zeitlebens eine enge Verbundenheit in ihrer Auffassung, die das „Ziel eines unendlichen wirtschaftlichen Wachstums“ als „eine Illusion“ ansah. Binswanger, der dann auch Ehrenvorsitzender der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. ist, ist der Thematik auch 2009 treu geblieben mit seinem neuen Buch „Vorwärts zur Mäßigung“. Für den St. Gallener Ökonom Binswanger ist es weiterhin ein Anliegen, die Natur wieder in die ökonomische Theorie zu reintegrieren und darüber hinaus auch Vorschläge zu machen, die am „Wachstumszwang und Wachstumsdrang“ ansetzen und Mäßigung versprechen. Das klingt betont praxisnah. Denn, so Binswanger: „Man darf ... nicht bei theoretischen Erörterungen stehen bleiben. Wo Krisen drohen, müssen Reformen erfolgen, die sich aus diesen Erörterungen ergeben.“ Bemerkenswert ist, daß der Band mit mehreren Einzelabhandlungen auch Binswangers Antrittsvorlesung „Wirtschaftliches Wachstum – Fortschritt oder Raubbau?“ aus dem Jahre 1969 enthält, die heute so aktuell anmutend postuliert: „Im Ganzen gesehen handelt es sich darum, den durch die Geldwirtschaft überforcierten Wachstumsprozess so zu steuern, dass die freien und freigesetzten Ressourcen, die heute in Wirklichkeit die knappsten Ressourcen sind, nicht unnütz verschleudert werden. Dies kann grundsätzlich auf zwei Weisen geschehen, entweder mit Hilfe einer Marktwirtschaft ergänzenden Planung, das heißt mit Geboten und Verboten, oder aber durch Umstrukturierung der Marktwirtschaft, indem volkswirtschaftliche Kosten in privatwirtschaftliche Kosten umgesetzt werden beziehungsweise die sparsame Verwendung der noch vorhandenen Ressourcen privatwirtschaftlich belohnt wird.“ Es ist evident, daß hier die Idee der ökologischen Steuerreform schon anklingt, mit der die ökologisch-soziale Marktwirtschaft anvisiert wird. Daß auch die “Zunahme der Weltbevölkerung” bezüglich des Ressourcen- und Umweltverbrauches im Blick behalten werden muß, ist nur konsequent zu betonen und macht deutlich, daß hier jemand einen fachlich verengtten Blickwinkel sich nicht zu eigen macht, sondern der Komplexität der Probleme gerecht zu werden sucht.
Das neue Buch Binswangers ist all jenen zur Lektüre zu empfehlen, die den Spagat zwischen Theorie und Praxis nicht scheuen und es mögen, wenn nicht nur wissenschaftliche Routine anklingt, sondern geistige Kreativität im Namen der Sache deutlich wird. (V. Kempf, 2.11.2009)
|