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Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V.

Eine „planetarische Wende“ als Weihnachtswunsch

Umweltliteratur: Bärbel Höhn liest „Ein Planet wird geplündert“

 

Eine „planteraische Wende“ forderte die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Bärbel Höhn, anläßlich der Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Deutschlandradio (auch unter dradio.de). Das ist eine alte Forderung, die die Mathematikerin und ehemalige nordrhein-westfälische Landesumweltministerin dem „echten Öko-Bestseller“ (Höhn) „Ein Planet wird geplündert – Die Schreckensbilanz unserer Politik“ entnahm. Dieses Buch von Herbert Gruhl (1921-1993) geht auf das Jahr 1975 zurück. Die „planetarische Wende“, so ist schon auf dem Klappentext zu lesen, sollte heißen, von den Grenzen des Planeten Erde her zu denken und zu handeln statt sie ständig zu mißachten und sich so die Probleme von morgen einzuhandeln.

Wer grenzenlos plündert, bereichert sich, da ist die auf Verzicht hinauslaufende politische Ökologie vielen ein Dorn im Auge. Ausbeutungspolitik zur Bereicherung der gegenwärtigen Generation zu Lasten der jungen und künftigen Generationen, kann aber dem Anspruch einer Kultur nicht genügen. Das hat sich seit 1975 durchaus herumgesprochen, weshalb allenthalben von der Umwelt und ihrem Schutz die Rede ist. Aber viel geschützt ist durch bloßes Gerede noch nichts, kurzfristige Interessen wirken weiter. Nach 35 Jahren sollte endlich, so meinte Höhn in ihrer Verlautbarung, die „planetarische Wende“ kommen. 1975 hatte Gruhl noch gar nicht den Klimawandel als ausgemachte Sache aufgegriffen, das kam später erst in die Diskussion. Das spricht aber nicht gegen Höhns Lektüreempfehlung eines Umweltklassikers. Denn die Folgerung, die Verbrennung fossiler Energieträger zu begrenzen wird dadurch nicht geringer. Der große Ruck sollte in Kopenhagen durch die Reihen der Vertreter der versammelten Nationen gehen. Aber, so steht zu vermuten, wie eh und je wird zu sehr nur auf den technischen Umweltschutz gesetzt, während die Schwellenländer ihre Wirtschaft wachsen und gedeihen lassen und die Weltbevölkerung sich weiter vermehrt. Beides sah Gruhl als die entscheidenden Parameter an, aber genau hier kam in den letzten 35 Jahren am wenigsten Bewegung in die Sache. Auch die Grünen und sogar ihre einstige Ökologistenabspaltung von der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) zieren sich, die Bevölkerungsentwicklung unter ökologischen Vorzeichen zu thematisieren. Die „planetarische Wende“, sie kann man sich damit zu Weihnachten wünschen, aber aktiv herbeigeführt wird sie nicht, auch nicht auf der X. UN-Umweltkonferenz.

Aber das heißt nicht, daß es sinnlos wäre, den Kurs wenigstens ein paar Grad zu verändern. Mehr ist von solchen internationalen Mammutveranstaltungen wie auch von nationaler Umweltpolitik leider nicht zu erwarten. Um so mehr soll Konsumzurückhaltung ein Beitrag der Verbraucher zu einer kleinen Kurskorrektur sein. Aber noch nie waren die Kinderzimmer so voller Spielzeuge wie heute. Billigprodukte aus China machen es möglich.

Die „planetarische Wende“, die sah Gruhl an seinem Lebensende 1993 nicht, sondern „Die Karawane der Blinden“ weiterziehen – jener Blinden, die meinen, wer plündert und den Reichtum verteilt, beglücke die Welt, ohne zu merken, daß vor allem die Zukunft verspielt wird. Höhn ist zu danken für ihre neuerliche Lektürehinweis des Umweltklassikers „Ein Planet wird geplündert“, die Umweltdiskussion kann dadurch nur an Klarheit und Schärfe gewinnen, die sonst so sehr die wichtigen Parameter aus dem Blick verliert. (V.K., 12.12.2009)

Herbert Gruhls „Ein Planet wird geplündert“ ist nur noch antiquarisch erhältlich; seine gesammelten Schlüsseltexte, Interviews und Reden wurden 2005 unter dem Titel „Unter den Karawanen der Blinden“ (Peter Lang Verlag, 275 Seiten, 41 Euro) herausgegeben (erhältlich auch bei Amazon).

B. Höhns Radiobeitrag vom 7.12.09, unter: (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1083397/)

 

 

    

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