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Volker Kempf Die Grenzen des Wachstums und die Grenzen der Politik Eine Laudatio zur Verleihung des Herbert-Gruhl-Preises an Prof. Dr. Friedhelm Farthmann, Staatsminister a. D.
Erstmals Verleihung des Herbert-Gruhl-Preises
Der Begriff Ökologie Der Begriff Ökologie geht bekanntlich auf den Biologen Ernst Heckel zurück und bezeichnet die Lehre von den wechselseitigen Beziehungen des Organismus zur umgebenden Außenwelt. Es ist eine Wissenschaft von den Existenzbedingungen von Lebewesen, zu denen auch der Mensch gehört. Der Begriff Ökologie wurde in der modernen Umweltdebatte zu einem über die Biologie hinausreichenden, übergeordneten Begriff für alle Denkbemühungen, die dem Komplex Mensch und Natur, vor allem in der Industriegesellschaft, nachgehen. Dies war das Terrain Herbert Gruhls. Es ist auch das Terrain Friedhelm Farthmanns. Farthmann als Ökologe nicht bekannt
Farthmanns ökologische Erkenntnis Seine grundsätzliche ökologische Erkenntnis formuliert Farthmann in Blick voraus im Zornwie folgt:
So muß auch Farthmanns Partei, die SPD, ihre Programmatik gegenüber allem Bisherigen vollständig und gründlich ändern und sich der Notwendigkeit der Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen stellen. Die Sozialdemokratie hat mit der Durchsetzung des Sozialstaates ihre Pflicht getan und muß sich nun neuen Pflichten stellen, will sie nicht heute schon von gestern sein, lautet sinngemäß Farthmanns Folgerung. Der Untertitel des besagten Buches von Prof. Farthmann lautet dann auch Aufbruch zu einem radikalen Neubeginn der SPD. Entsprechendes muß für andere Traditionsparteien wie der CDU gelten. Denn Ökologie steht weder Links noch Rechts, sondern vorn, wie Herbert Gruhl zu sagen pflegte. Daß Farthmann in diesem Sinne aber einen Blick voraus wohlgemerkt im Zorn anstellt, läßt erahnen, daß er selbst die Chancen einer Erneuerung für gering hält. Auch Gruhl blickte auf die CDU gewissermaßen zurück im Zorn. Ökologische Erneuerung der Volksparteien Wie sieht also eine von der Sache her dringend notwendige, aber offenbar schwer umsetzbare Erneuerung einer Volkspartei aus? Zunächst wird die Dringlichkeit immer größer. Denn je knapper die Ressourcen und Lebensgrundlagen werden, desto wahrscheinlicher werden kriegerische Auseinandersetzungen, mögen sie auch religiös begründet daherkommen. Eine Erneuerung einer Partei unter dem Paradigma der Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen bedeutet also eine Verzichtsethik. Denn je höher der Konsum pro Kopf ist, desto größer fällt die verursachte Ausplünderung der Erde aus. Und je mehr jemand verdient, desto mehr gibt er aus, desto mehr vernutzt er diese Welt. Um es mit Farthmann selbst zu sagen:
Aus dieser Überlegung heraus kritisiert Farthmann Widersprüche auch „grüner“ Politik und mäßigt übertriebene Hoffnungen. Wer die materiellen Ansprüche zu heben verspricht und gleichzeitig mehr Natur bewahren will, verspricht unvereinbares zu vereinbaren. Wer Widerstand gegen die Nutzung der Kohle formuliert, senkt den Energiebedarf um kein einziges Kilowatt, schreibt Farthmann an einer Stelle. An anderer Stelle kritisiert er die „grüne“ Einwanderungspolitik, weil die Verhinderung weiterer Umweltbelastungen mit dem Streben nach Einwanderung von Menschen in großer Zahl im Widerspruch steht. So müßte sich eine Partei entweder für grüne Politik oder aber für Einwanderungspolitik einsetzen, aber nicht beides gleichzeitig. Mehr Menschen bedeuten nun einmal mehr Zersiedelung, Verkehr, Abfall etc.
Verzichtsethik Wenn Farthmann kein Mehr an materiellem Wohlstand fordert, so deshalb, weil er ein Mehr an Zukunft gewinnen will. Weniger ist mehr. Das erfordert ein Anhalten der Einkommensspirale in Deutschland, sowie ein Ausgleich, wo ein unerträgliches Wohlstandsgefälle besteht. Hier ist der heutige Preisträger als Sozialpolitiker gefordert. Er hat die Herausforderung in der letzten Legislaturperiode des nordrhein-westfälischen Landtages angenommen, indem er den Vorsitz der Enquetekommission „Zukunft der Erwerbsarbeit“ antrat. Eine zentrale Forderung dieser Kommission lautet auf Arbeitsumverteilung, das heißt, die vorhandene Arbeit muß – ohne Lohnausgleich - besser verteilt werden. Doch sicher kann Professor Farthmann selbst besser erzählen, wo in der konkreten Politik im Sinne seines Buches Blick voraus im Zorn Schritte in die richtige Richtung gemacht werden konnten und wo ihm die Grenzen der Politik aufgezeigt wurden. Wir sind also alle sehr gespannt auf Ihre Dankesrede, Herr Prof. Farthmann. Gruhl über Farthmann Der Namensgeber des heute zu verleihenden Herbert-Gruhl-Preises hat Prof. Farthmann einmal selbst in einer Bundestagsrede erwähnt. Im Februar 1980 erklärte Gruhl vor dem Deutschen Bundestag, daß der damalige nordrhein-westfälische Minister Farthmann das atomare Risiko von Atomkraftwerken für den Kriegsfall sehr früh sehr ernst genommen habe. - Ein Thema, das durch die bis vor kurzem noch für unmöglich gehaltenen Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001, auch die Politik bei uns leider eingeholt hat. Summa summarum Sehr geehrter Herr Prof. Farthmann, ich darf Ihnen für Ihre herausragenden Leistungen in Sachen politischer Ökologie im Namen der Herbert-Gruhl-Gesellschaft den Herbert-Gruhl-Preis zusprechen; Heinz-Siegfried Strelow, unser Vorsitzender, wird ihn Ihnen überreichen. * Im Anschluß folgte eine Dankesrede des Preisträgers, die im Januar 2002 im Jahrbuch Naturkonservativ heute , Bd. 2 veröffentlicht wird.
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